Finger weg vom Gutenberg Editor!

Über Jah­re hin­weg war der TinyMCE der Edi­tor, mit dem Blog­ger und Website‐Betreiber unter Word­Press ihre Inhal­te ver­fasst und ver­wal­tet haben. Mit dem Update auf die Ver­si­on 5 des ursprüng­li­chen Blog­sys­tems, das sich inzwi­schen zu einem welt­weit belieb­ten CMS durch­ge­setzt hat, wur­de der eta­blier­te Fließ­text­edi­tor abge­löst: Guten­berg nennt sich der neue Blo­ckedi­tor — in anleh­nung an den Erfin­der des Buch­drucks — und wur­de von der WordPress‐Community als lang über­fäl­li­ges Upgrade der Content‐Erstellung gehan­delt.

Jeder, der bereits der Ver­su­chung erle­gen ist, mit ein­schlä­gig bekann­ten Text­pro­gram­men ein Flyer‐ oder Pla­kat­lay­out zu erstel­len, kann sich vor­stel­len, wie bei­na­he unmög­lich das Gestal­ten von Lay­outs mit dem TinyMCE war, denn der bis­he­ri­ge Edi­tor basier­te auf der sel­ben Text­be­ar­bei­tungs­phi­lo­so­phie: Fließ­text von oben nach unten, gele­gent­lich unter­bro­chen durch Bil­der mit Beschrei­bun­gen oder den Inhalt eines Plugins

Word­Press wur­de auf Grund die­ser Ein­schrän­kun­gen in der Text­ge­stal­tung häu­fig belä­chelt. Text­struk­tu­ren jen­seits einer Tabel­le waren ohne HTML‐Kenntnisse kaum mög­lich und sobald man an kom­ple­xe­re Inhal­te dach­te, wur­de das CMS Typo3 bevor­zugt.

Der “Clas­sic Edi­tor” von Word­Press: Das Ban­ner­bild des gleich­na­mi­gen Plugins, mit des­sen Hil­fe der alte Edi­tor zurück geholt wer­den kann.

Der Guten­berg Edi­tor lässt nun die­sen Ansatz des Fließ­tex­tes zurückt, trägt das Lay­out des Tex­tes aktiv an den Con­ten­ter­stel­ler her­an und ermög­licht es, kom­ple­xe Text‐Layouts mit wenig Wis­sen und — beson­ders wich­tig — ohne Fach­wis­sen über Web­spra­chen zu erstel­len. Er soll den Punkt mar­kie­ren, ab dem Word­Press defi­ni­tiv nicht län­ger ein Blog­sys­tem, son­dern end­lich ein aus­ge­wach­se­nes CMS ist.

Der Ansatz der Blö­cke ermög­licht es in sei­ner Grund­aus­stat­tung plötz­lich, Text­in­hal­te in Spal­ten­lay­outs zu struk­tu­rie­ren. Die ein­zel­nen Content‐Blöcke kön­nen per Drag&Drop ver­scho­ben wer­den, und es gibt eine viel­zahl von Stan­dardstyles, die die Gestal­tung ver­ein­fa­chen.

Jedenfalls in der Theorie.

Die Ober­flä­che des Guten­berg Edi­tors lässt das alte Bedien­kon­zept hin­ter sich. Und damit auch vie­le alte Funk­tio­nen.

Der ers­te Kon­takt mit dem neu­en Edi­tor ist frei­lich befremd­lich, denn das Lay­out ist ein kom­plett ande­res. Statt direkt los­tip­pen zu kön­nen wird man zunächst durch ein schüch­ter­nes, unschein­ba­res “+”-Icon dazu auf­ge­for­dert, einen Block zu erstel­len. Titel und Content‐Bereich sind nicht mehr gegen­ein­an­der abge­grenzt, es gibt nicht mehr die inhalts­über­grei­fen­de Edi­tor­ober­flä­che, die man auch aus Micro­soft Word oder Libre Office kennt.

Doch das sind nicht die Din­ge, die lang­fris­tig Unmut ver­ur­sa­chen wer­den. Wie immer liegt der Teu­fel im Detail und wird dann bemerk­bar, wenn dem Redak­tu­er beim zehn­ten Betre­ten des neu­en Edi­tors immer noch das Popup ins Gesicht springt, das ihn stolz und strah­lend über die neue Nut­zer­füh­rung infor­mie­ren möch­te.

Eine Samm­lung aller “Nicht­funk­tio­na­li­tä­ten” fin­det man in der Kommentar‐Sektion einer Kurz­an­lei­tung zum neu­en Edi­tor der Web­site Webtimiser.de. Dort beschwe­ren sich die Nut­zer zuhauf über undurch­dach­te, unlo­gi­sche und feh­len­de Funk­tio­nen, die kei­nes­wegs außer­ge­wöhn­lich oder beson­ders sein soll­ten. Unter ande­rem wird beklagt, dass man Stan­dard­funk­tio­nen wie Schrift­art oder rel‐Attribute von Links nicht mehr ange­ben kann. Zudem sind die Nut­zer unglück­lich über das vie­le her­umkli­cken, das mit dem neu­en Edi­tor Ein­zug den Con­ten­ter­stel­lungs­pro­zess von Word­Press gefun­den hat.

Aus eige­ner Erfah­rung kann ich berich­ten, dass die Arbeit mit ver­schach­tel­ten Blö­cken bereits aber der ers­ten Hierarchie‐Ebene einer Tor­tur gleicht, denn die Berei­che zum Ver­schie­ben von inne­rem und äuße­rem Block über­lap­pen sich kon­se­quent, wobei das Kin­der­ele­ment immer im Vor­der­grund ist — egal, was man tut. Das Ver­zie­hen eines Eltern­blocks ist nur mög­lich, wenn man ihn vor­her aus­ge­räumt hat. Zwar gibt es eine Hirar­chie­über­sicht über die Block­struk­tur, die­se kann jedoch nicht zur Ver­än­de­rung der Blö­cke genutzt wer­den.

So kommt es, dass Klei­nig­kei­ten, die im alten Edi­tor kein Pro­blem dar­ge­stellt hät­ten, plötz­lich zu einer lang­wie­ri­gen, bis­wei­len frus­trie­ren­den und häu­fig ver­geb­li­chen Suche nach dem rich­ti­gen Knopf anschwel­len, die in kei­nem ver­tret­ba­ren Kosten‐Nutzen‐Verhältnis mehr ste­hen.

Gera­de bei stark ver­schach­tel­ten Blö­cken wird Guten­berg zudem extrem trä­ge und scheint nicht nur die Edi­tor­sei­te, son­dern alle ande­ren offe­nen Tabs eben­falls zu brem­sen.

Selbst hin­zu­ge­füg­te Blö­cke funk­tio­nie­ren gele­gent­lich bis meis­tens, regel­mä­ßig kommt es aber vor, dass der Block aus hei­te­rem Him­mel nicht mehr als sol­cher erkannt und nur noch als HTML dar­ge­stellt wird. Für Web­ent­wick­ler stellt dies natür­lich kein Pro­blem dar, aller­dings befin­den die­se sich ein­deu­tig nicht in der eigent­li­chen Ziel­grup­pe des neu­en Edi­tors, die haupt­säch­lich aus sol­chen Leu­ten besteht, die end­lich ihren Con­tent schön und ein­fach ohne Fach­wis­sen ins Inter­net brin­gen wol­len.

Fazit

Mein Fazit zum Guten­berg Edi­tor fällt denk­bar schlecht aus. Hat man den ers­ten Schre­cken und die Gewöh­nung an die neue Nut­zer­ober­flä­che erst ein­mal über­wun­den, merkt man erst, wo der Edi­tor über­all hinkt und hängt.

Der Gedan­ke der Block­be­ar­bei­tung und die damit ein­her­ge­hen­de Phi­lo­so­phie ist sicher­lich zeit­ge­mäß und drin­gend nötig, um ein für alle Male den Ruf des Blog­sys­tems los­zu­wer­den. Die Umset­zung lässt zum aktu­el­len Zeit­punkt aller­dings zu vie­le gewohn­te Fea­tures und Funk­tio­nen aus­fal­len schwä­chelt in den Grund­funk­tio­nen der Con­ten­ter­stel­lung. Die­se Män­gel kann man inso­fern nicht als Kin­der­krank­hei­ten abhan­deln, da es sich größ­ten­teils wirk­lich um grund­le­gen­de Din­ge der Usa­bil­ty und Con­ten­ter­stel­lung han­delt, die nicht oder unzu­rei­chend exis­tie­ren und funk­tio­nie­ren.

Die Ent­schei­dung, den Guten­berg Edi­tor zu ver­wen­den, soll­te auf jeden Fall gut durch­dacht sein und kei­nes­falls auf der schlich­ten Beiste­rung für Neu­es basie­ren.

Wer bereits mit dem Edi­tor gear­bei­tet hat und sich nach den “Guten, alten Zei­ten” sehnt, der kann sich den alten Edi­tor als Plugin zurück­ho­len.

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